|
|
| |
Fachgebiet Politische Ökonomie der Umweltmedien
(Dr. Károly Henrich)

Die hier von der Villa Jovis des Tiberius aus gesehene Insel Capri hat – unter vielen anderen – der französische Maler Yves Brayer (1907 – 1990) als einen der schönsten Orte der Welt bezeichnet. Das oben gezeigte, 1970 entstandene Aquarell dieses Künstlers – Capri, vu de la Villa de Tibère – lässt in der Tat ein reizvolles Zusammenspiel aller vier Umweltmedien oder Teilsphären der Natur sichtbar werden: des Wassers, der Luft, des Bodens und der lebenden Organismen.
Nur am Rande sei erwähnt, dass die Insel historische Bedeutung nicht wegen ihrer landschaftsästhetischen Anziehungskraft gewonnen hat, sondern weil der römische Kaiser Tiberius von ihr aus zwölf Jahre lang das Imperium Romanum regierte. In eben dieser Periode, in den Jahren 26 bis 37, reihte er sich durch eine lange Kette von Anklagen, Verhören, Folterungen und Hinrichtungen in die Schar derjenigen Herrscher ein, die sich durch besondere Grausamkeit auszeichneten. So berichtet Sueton (De Vita Caesarum, Tiberius 62.2): „Noch heute wird auf Capri die Stätte seiner Henkerstätigkeit gezeigt, von wo er die Verurteilten nach langen, ausgesuchten Martern in seiner Anwesenheit ins Meer hinabstürzen ließ; dabei nahm die leblosen Körper unten eine Schar von Marinesoldaten in Empfang und zerschmetterte sie mit Stangen und Rudern, um einen möglicherweise noch vorhandenen Lebenshauch auszutreiben.“
Aus ökologischer Perspektive handelt es sich zudem – auch das ist auf dem Bild durchaus zu erkennen – um ein typisches Beispiel eines stark degradierten mediterranen Ökosystems.
In 50 Millionen Jahren wird es freilich – den plattentektonischen Vorhersagen zufolge – diesen Anblick und das gesamte Mittelmeer nicht mehr geben. Die nordwärts gerichtete Drift Afrikas wird die Straße von Gibraltar zugeschoben und das Mittelmeer in eine Salzwüste verwandelt haben.
Bis dahin aber bleiben noch viele Möglichkeiten, die anthropogene Degradation der Umweltmedien und der gesamten Ökosphäre zu beschleunigen, zu verlangsamen oder sogar in einen Regradationsprozess umzukehren.
Biographische Angaben
Dr. Károly Henrich, geboren 1942 in Budapest
Studium der Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main
Diplom-Volkswirt 1968
Promotion zum Dr. rer. pol. 1991 in Kassel
1968 bis 1976 wissenschaftlicher Assistent an der Universität Frankfurt
1976 bis 2005 Gymnasiallehrer
seit 1993 Lehrbeauftragter im FB Wirtschaftswissenschaften der Universität Kassel
Arbeitsschwerpunkte
Politische Ökonomie der Umwelt
Evolutorische Ökonomik
Landschaftsökonomie
Umwelt- und Wirtschaftsethik
Telefon: 069 5963175
Sprechstunde: nach den Lehrveranstaltungen, nach Absprache
|
|